Bedenken? Weggewischt. Kritische Fragen? Offenbar unerwünscht.

Datum

26. Oktober 2026

Wer Fragen zum Nationalpark am Rothaarkamm stellt, Sorgen äußert oder mögliche Folgen kritisch hinterfragt, verdient Antworten. Sollte man meinen. Wie anders das aussehen kann, zeigt ein Gespräch zwischen dem bekannten Waldexperten Peter Wohlleben und Peter Schauerte von der Dieter Mennekes Umweltstiftung.

„Sabotage gegen Nationalparke – so wird unsere Zukunft verspielt!“ lautet der reißerische Titel des Podcasts auf Youtube. Damit scheint schon vor dem ersten Argument klar: Hier sprechen die Retter unserer Zukunft. Und wer Vorbehalte gegen einen Nationalpark äußert, gehört offenbar zu den Saboteuren und Zukunftsfeinden.

In einer guten Dreiviertelstunde entsteht eine bemerkenswerte Gesprächsdynamik: Bedenken werden abgetan, die Sorgen von Landwirten und anderen Betroffenen belächelt. Wer nicht dieselbe Überzeugung teilt, scheint schlicht nicht verstanden zu haben, worum es geht.

Auch ein kurzer Ausflug in die Rechtswissenschaft darf nicht fehlen: Das von der IHK Siegen beauftragte Rechtsgutachten zur Route 57 sei „an den Haaren herbeigezogen“, urteilt Peter Schauerte. Eine auf Verwaltungsrecht spezialisierte Kanzlei legt ihre fachliche Einschätzung ausführlich dar – im Gespräch reicht offenbar ein Halbsatz, um sie vom Tisch zu wischen. Beispielhaft für die gesamte Debatte.

Dabei hätte man die Gelegenheit durchaus nutzen können, unter Fachleuten endlich eine naheliegende Frage zu diskutieren: Was bringt ein Nationalpark eigentlich an zusätzlichem Schutz? Welche konkreten Verbesserungen entstehen dadurch?

Denn: Rund 60 % der diskutierten Fläche sind bereits als Naturschutzgebiet und/oder FFH-Gebiet geschützt.* Ein durchaus relevantes Detail, das in dem Gespräch aber offenbar keinen Platz findet.

Stattdessen wird der Schutzstatus „Nationalpark“ zur alternativlosen Rettungsmaßnahme erhoben. Als gäbe es nur zwei Möglichkeiten: Nationalpark oder Kahlschlag.

Erstaunlich, wie schnell aus vermeintlich sachlicher Expertise moralische Überlegenheit werden kann.

Dabei ist die Sache eigentlich ganz einfach: Man kann Naturschutz praktizieren, ohne einen Nationalpark zu wollen. Man kann Wälder schützen, ohne Andersdenkende zu verhöhnen. Und man kann eine andere Meinung haben, ohne gleich die Zukunft zu sabotieren.

Zum Schluss gibt es dann doch noch einen gemeinsamen Nenner. Peter Schauerte sagt:

"Wenn sich der Kreis Siegen-Wittgenstein (am 13.11., Anm.) dafür entschließen sollte, wird er mit höchster Wahrscheinlichkeit diesen Nationalpark bekommen. Dann wird der Ausweisungsprozess gestartet."

Eine interessante Einschätzung. Denn während manche Befürworter darauf verweisen, dass nach dem 13. November ja erst das eigentliche Prüfungsverfahren beginne und offene Fragen auch später geklärt werden könnten, hält auch Schauerte das Ergebnis nach einem positiven Kreistagsbeschluss offenbar schon für nahezu sicher.

Wir finden: Wer die Weichen stellt, sollte vorher wissen, wohin die Reise führt.

Oder anders gesagt: Erst klären. Dann entscheiden.

🎥 Wer sich selbst ein Meinung dazu bilden möchte, die Episode von „Peter und der Wald“ in gesamter Länge: https://www.youtube.com/watch?v=rtWp5gfeqL8

* Eigene GIS-Auswertung auf Basis der aktuellen Gebietskulisse sowie amtlicher NSG- und FFH-Geodaten; Flächen können sich überschneiden.

 

dabei bleiben

Begleiten Sie die Debatte.

Newsletter abonnieren

Mit unserem Newsletter informieren wir über neue Entwicklungen, Termine und Einordnungen rund um die Nationalpark-Debatte.

Kontakt zum Bündnis

Sie haben eine Rückfrage, möchten mit uns ins Gespräch kommen oder vertreten ein Unternehmen, einen Verein oder eine Organisation aus der Region?

Folgen Sie uns

Aktuelle Beiträge und Einordnungen finden Sie auch auf unseren Social-Media-Kanälen.